Wechseljahre im Mund

Mundtrockenheit und Zungenbrennen im Klimakterium

In den Wechseljahren haben Frauen mit einigen Problemen zu kämpfen. Die Umstellung des Hormonhaushalts kann sich mitunter stark auf Körper und Psyche auswirken. Und auch die Mundgesundheit ist häufig von den Veränderungen betroffen. Doch was passiert genau in dieser Zeit im Mund und was hilft gegen die auftretenden Beschwerden?

Wechseljahre Mund

Das Klimakterium beschreibt den Übergang von der reproduktiven zur postmenopausalen Phase einer Frau, in der die Produktion von Sexualhormonen wie dem Östrogen und den gonadotropen Steuerhormonen heruntergefahren wird. Übersetzt wird der aus dem Griechischen stammende Begriff „Klimakterium“ mit einem „kritischen Zeitpunkt im Leben”. Dieser Zeitpunkt kann nicht pauschal an ein Alter geknüpft werden, weil die Hormonumstellung bei jeder Frau individuell eintritt. Bei manchen Frauen beginnt das Klimakterium bereits mit 40 Jahren, bei anderen erst mit Mitte 50. Ein Großteil von ihnen erlebt diese Zeit mit einer Vielzahl körperlicher Reaktionen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen.

Beschwerden im Mundraum

Im Bereich der Mundhöhle treten sehr oft Beschwerden wie Mundtrockenheit (Xerostomie), Mundgeruch (Halitosis) und starkes Zungenbrennen bzw. das sogenannte Burning-Mouth-Syndrom auf. Diese Beschwerden können sich zeitlich versetzt oder auch gleichzeitig bemerkbar machen, was oft mit einem hohen Leidensdruck der Betroffenen einhergeht. Während 30 Prozent der Frauen überhaupt keine Beschwerden zeigen, klagen 35 Prozent über leichte, 20 Prozent über starke und 13 Prozent über sehr starke Probleme mit der Mundgesundheit.

Mundtrockenheit in den Wechseljahren

Ursache für die oralen Beschwerden ist unter anderem der Einfluss der hormonellen Umstellung auf die Mundschleimhaut. Dort existieren, wie in der Scheidenhaut, Sexualhormonrezeptoren, die beim Sinken des Östrogenspiegels zu einer Atrophie führen können. Das Austrocknen der Schleimhaut wiederum verursacht Empfindlichkeiten und Reizungen.

Auch in den Speicheldrüsen sind Sexualhormonrezeptoren vorhanden, darum kommt es durch das Klimakterium ebenfalls zu einer reduzierten Speichelproduktion. Die Speicheldrüsen gehören zum vegetativen Nervensystem, welches über den Sympathikus und den Parasympathikus verschiedene Körperfunktionen steuert. So ist der Parasympathikus für den entspannten Zustand zuständig: Ist der Körper zur Nahrungsaufnahme bereit, werden die Speicheldrüsen und Verdauungsdrüsen angeregt, der Herzschlag ist ruhig, man fühlt sich insgesamt entspannt. Der Sympathikus ist dagegen der Lenker, wenn Gefahr droht, und übernimmt dann die Steuerung der Körperfunktionen. So sorgt er dafür, dass der Körper aufmerksam ist und schnell reagiert. Das ist dann am schnellen Herzschlag zu spüren. Außerdem werden alle nicht lebenswichtigen Organfunktionen heruntergefahren. Das erklärt auch die Mundtrockenheit in Stresssituationen (zum Beispiel bei einem Schock oder auch in Prüfungssituationen), denn eine starke Speichelproduktion ist nicht überlebensnotwendig. Die verminderte Speichelproduktion während des Klimakteriums fördert zusätzlich die Mundtrockenheit und das Zusammenziehen der Mundschleimhäute, die im Mund ein unangenehmes stumpfes, pelziges Gefühl auslösen.

Nicht selten führt die psychische Belastung, die durch die hormonellen Veränderungen ausgelöst werden, zu starkem Stress, Depressionen und Angstzuständen. Hier ist oftmals eine medikamentöse Behandlung notwendig. Antidepressiva aber auch andere Mittel wie Blutdrucksenker und Antibiotika begünstigen die Mundtrockenheit jedoch zusätzlich. Aufgrund der psychischen Beschwerden kommt es außerdem häufig auch zu einer generellen Vernachlässigung der Mundhygiene.

Nahrungsmittel, die die Mundtrockenheit verstärken

Bestimmte Inhaltsstoffe aus Nahrungsmitteln, Getränken und Kosmetika können die Mundtrockenheit und das Zungenbrennen noch verschlimmern. Vor allem Tannine (pflanzliche Gerbstoffe) sollten gemieden werden. Sie zählen zu den Oligo- oder Polyphenolen. Diese Stoffe werdenvon verschiedenen Pflanzen produziert,ihr Geschmack lässt sich als herb beschreiben – ein gutes Beispiel dafür ist der bittere Geschmack von dunkler Schokolade oder trockenem Rotwein. Tannine binden Eiweiße und wirken deshalb auch in der Mundschleimhaut adstringierend.

Gerbstoffe kommen in folgenden Nahrungsmitteln vor:

  • viele Obstarten, darunter saure Äpfel und Birnen, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Bananen, Trauben, Pfirsiche und Pflaumen
  • Grüner Tee und Schwarztee
  • Rotwein
  • Bier (aufgrund des Tanningehalts von Hopfen)
  • Energydrinks

Stimuliert wird der Speichelfluss hingegen am stärksten durch sauren Geschmack. So kann mit Zitronensäure meist ein maximaler Speichelfluss ausgelöst werden. Auch Bitterstoffe regen den Speichelfluss sehr gut an. Es ist deshalb ratsam, verstärkt Lebensmittel wie Löwenzahn-Blätter, Endiviensalat, Radicchio, Chicorée, Artischocken oder Grapefruits auf den Speiseplan zu setzen. Aber auch Gemüsesorten wie Rosenkohl, Brokkoli oder Blumenkohl enthalten eine gewisse Menge an Bitterstoffen.

Positiv beeinflusst wird die Mundtrockenheit hingegen durch diese Nahrungsmittel:

  • Säuerliche Tees (Zitronen, Malven, Salbei, Eukalyptus, Ingwer, Thymian)
  • Zitrusfrüchte
  • saure Bonbons (Achtung Zuckergehalt)
  • Kaugummi (biologischer Art ohne synthetische und künstliche Inhaltsstoffe)
  • etc.

Folgen der Mundtrockenheit

Da unser Speichel nicht nur wichtig für die Verdauung ist, sondern auch die Schleimhäute schützt, den pH-Wert reguliert, für die Remineralisierung der Zahnhartsubstanz sorgt sowie Bakterien, Viren und Pilze abwehrt, kann die verminderte Produktion starke Beeinträchtigungen und Erkrankungen nach sich ziehen.

Frauen, die unter Mundtrockenheit in den Wechseljahren leiden, sind darum einem erhöhten Risiko für eine Karies- und Ginigivitiserkrankung ausgesetzt. Das verstärkt sich noch durch den Umstand, dass die Hormonumstellung häufig zu Heißhunger auf Süßes führt. Eine gesteigerter Konsum von Zucker und kohlenhydratreichen Lebensmitteln bieten Nährboden für Kariesbakterien und begünstigt das Entstehen entzündungsfördernden Botenstoffe.

Außerdem geht die Mundtrockenheit häufig mit einer gereizten, spröden Schleimhaut und entzündeten Zungenpapillen einher. Missempfindungen und Schmerzen im Mundraum sind die Folge.

Gleichzeitig können auch Symptome von Bruxismus, wie ein erhöhter Muskeltonus und Verspannungen im Kiefergelenk, auftreten.

Weil teilweise der Geschmackssinn und auch das Sprechen eingeschränkt sind, stellt die Mundtrockenheit nicht selten eine psychische Belastung für die betroffenen Frauen dar. Aus der ständigen Suche der Zunge nach Speichel können sich darüber hinaus Habits in der Mimik manifestieren.

Brennen im Mund und auf der Zunge

Beim sogenannten Burning-Mouth-Syndrom (BMS) kommt zur Mundtrockenheit ein brennender Schmerz in Mund und auf der Zunge hinzu. Betroffen sind vor allem Erwachsene der Generation 50 plus, wobei insbesondere Frauen in den Wechseljahren darunter leiden. Diese Erkrankung ist also ebenfalls eine häufige Begleiterscheinung der Wechseljahre und wird durch psychische Belastung meist verstärkt.

Der Schmerz tritt hauptsächlich an der Zungenspitze und am bilateralen Zungenrand auf, kann sich aber auch auf die Mundschleimhaut, die Innenseiten der Lippen, den Gaumen und die Innenseite der Wangen ausdehnen. Während die Beschwerden in der Regel am Morgen noch nicht so stark sind, nehmen sie im Tagesverlauf zu. Oftmals wird das Brennen auch von Entzündungen der Geschmackspapillen begleitet, die sich als kleine weiße Noppen auf der Zunge zeigen. Häufig führen diese wiederum zu einer Störung der Geschmackswahrnehmung und zu einer Halitosis (Mundgeruch). Ein allergisch bedingtes Zungenbrennen äußert sich hingegen durch leuchtend rote Schwellungen von Zunge und Schleimhäuten.

Hervorgerufen wird das Burning-Mouth-Syndrom durch einen Mangel an Vitamin B12, Eisen oder Folsäure oder chronische Erkrankungen, wie z. B. Diabetes, das Sjögren-Syndrom und Multiple Sklerose. Mithilfe einer Blutspektralanalyse beim Allgemeinmediziner oder Heilpraktiker lässt sich die genaue Ursache ermitteln.

Orale Folgen von Nährstoffmangel im Klimakterium

Hormonschwankungen, Stress und die Einnahme von Medikamenten während des Klimakteriums zehren an den körperlichen Kräften. Durch den Östrogenmangel ist die Aufnahme von Kalzium gehemmt. Die Gefahr eines Nährstoffmangels wächst. Diesen Mangel allein mit ausgewogener Ernährung auszugleichen, ist schwierig. Darum sollten über Nahrungsergänzungsmittel fehlende Nährstoffe zugeführt werden, um so das Nervensystem und den Knochenstoffwechsel zu schützen.

Wird der Nährstoffmangel nicht ausgeglichen, wirkt sich das auch auf die Masse und Dichte des Kieferknochens aus. In den Wechseljahren nimmt deshalb häufig die Knochensubstanz – auch im Kieferknochen – ab. Die verminderte Knochenmasse und -dichte kann in Kombination mit einem langanhaltenden Vitamin-D-Mangel zu einem geringeren Halt der Zähne und einer erhöhten Entzündungsneigung führen. Dies kommt speziell bei Patienten mit einer bestehenden parodontalen Erkrankung sehr stark zum Tragen und muss beim Behandlungskonzept berücksichtigt werden.

Wichtige Nährstoffe u. a. sind:

  • Phytoöstrogene
  • Vitamin B-Komplex
  • Magnesium
  • Zink
  • Vitamin E
  • Vitamin D3
  • Eisen
  • Jod
  • Gesunde Fette

Prophylaxe bei Frauen im Klimakterium

Aufgrund der oben genannten Beschwerden sollte im Rahmen der Prophylaxebehandlung von Frauen im entsprechenden Alter auf spezielle Anzeichen geachtet werden, um ihnen frühzeitig Hilfestellung geben zu können. Neben dem Abfragen von Schmerzen oder Symptomen sollte unter anderem regelmäßig die Menge des Speichels beobachtet werden. Im Rahmen eines PA-Konzeptes oder einer umfangreichen prothetischen Versorgung empfiehlt sich überdies ein Schnelltest zur Abklärung eines Nährstoffmangels und ggf. eine Ernährungsberatung.

Zahnpasta und weiter Mundhygienemaßnahmen

Bei der häuslichen Mundhygiene sind biologische Zahnpasten zu empfehlen. Sie enthalten in der Regel viele pflegende, basische und speichelstimulierende Inhaltsstoffe. Durch das möglicherweise erhöhte Kariesrisiko kann eine zusätzliche Fluoridzugabe in Betracht gezogen werden.

Neben einer intensiven Mundhygiene helfen auch zuckerfreie Kaugummis oder Bonbons mit Xylit, die Remineralisation der Zähne und so den Kariesschutz zu unterstützen. Klinische Studien konnten zeigen, dass durch das Kauen von zuckerfreien Kaugummis nach dem Essen die Karies um zehn bis zu 40 Prozent gesenkt werden kann.

Zur weiteren Stärkung der natürlichen Abwehrkräfte sowie zur Unterstützung einer gesunden Mundflora empfiehlt sich darüber hinaus die Einnahme von Probiotika.

Zahnpflege und Schleimhautschutz durch Ölziehen

Sowohl bei der Mundtrockenheit als auch beim Burning-Mouth-Syndrom bringt das Ölziehen Linderung. Zwar ist die Wirkung dieser Mundhgyienemaßnahme wissenschaftlich noch nicht eindeutig nachgewiesen, doch meine persönliche Erfahrung zeigt, dass sie sich positiv auf die Beschwerden auswirkt.

In diesem Fall steht beim Ölziehen nicht die Bindung oder Ausleitung von Krankheitserregern aus der Mundhöhle im Vordergrund, sondern die Bildung einer Lipidschutzschicht. Diese ermöglicht eine Befeuchtung, Pflege und Schmerzlinderung der Schleimhäute und verhindert gleichzeitig die Anlagerung von Plaque auf den Zahnoberflächen.

Mehrmals am Tag sollten die Patientinnen kleine Mengen des Öls im Mund kurz einwirken lassen und dann ausspucken. Grundsätzlich lässt sich jedes biologische Öl zum Ölziehen verwenden. Für ein angenehmes Gefühl und einen frischen Geschmack im Mund eignen sich Ziehöle mit ätherischen Pflanzenessenzen, die häufig auch entzündungshemmend und leicht schmerzlindernd wirken. Ein hoher Vitamin-Gehalt im Öl intensiviert den Pflegeeffekt.

Diese Öle bieten sich z. B. an:

  • Sesamöl: starke Tiefenwirkung, binden freie Radikale, vitaminreich und wirkt antioxidativ
  • Kokosöl: Allrounder mit antibakterieller, antiviraler und antifungaler Wirkung

Gebrauchsfertige Ziehöle:

  • Fresh tooth oil von Ringana mit Sesamöl, Xylitol, Minzöl, Menthol, Curcuma, Sternanisöl, Zitronenöl, Eucalyptusöl, Nelkenblütenextrakt, Myrrhenöl, Salbeiöl usw.
  • Fresh Ölziehkur von Bio Planete mit Sonnenblumen-, Sesam- und Kokosöl + Thymian, Myrrhe, Wacholder, Niaouli und Nelke.
  • Auromère Kräuter-Mundöl von Apeiron mit Sesam-, Salbei-, Nelken-, Neem-, Kardamon-, Zimt- und Anisöl.

Mein Tipp: Alle Pflegeprodukte sollten frei von Gerbstoffen und Alkoholen sein und möglichst wenig Aromastoffe beinhalten, um Reizungen und Brennen der Schleimhäute zu vermeiden oder reduzieren. Optimalerweise sind sie auch frei von Tensiden, Natriumlaurylsulfaten oder Parabenen.

Zahnmedizinische Behandlung

Für die ganzheitliche zahnmedizinische Betreuung von Patientinnen während des Klimakteriums bedarf es eines gut abgestimmten Behandlungskonzeptes. Nur durch das Zusammenspiel aus präziser Anamnese, Diagnostik, einer engmaschigen Kontrolle und nachhaltigen Instruktionen zur Mundhygiene lassen sich die vielschichtigen oralen Symptome in den Griff bekommen und das Risiko für Folgeerkrankungen minimieren.

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Literatur

  • Amrein K (2015). Vitamin D-Mangel – Aktuelle Diagnostik und Prophylaxe in Fallbeispielen. UNI-MED: Bremen
  • Gröber U, Holick MF (2012). Vitamin D. Die Heilkraft des Sonnenvitamins. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft: Stuttgart
  • Löser C (2011). Unter- und Mangelernährung. Thieme: Stuttgart
  • Rabenberg M, Mensink GBM (2016). Vitamin D-Status in Deutschland. Journal of Health Monitoring 1(2)36-42
  • Stangl G (2013). Vitamin D. Ursachen einer inäquaten Versorgung und Krankeitsrisiko für vaskuläre Kalzifizierung und Allergien? Aktuell Ernährungsmed 38: 118-126
  • Ströhle A (2011). Vitamin D im Blickfeld der Prävention. Ernährung im Fokus 11(6)242-251
  • Weimann A, Schütz T, Lochs H (2010). Krankheitsbedingte Mangelernährung. Pabst Science: Lengerich
  • Gesund und fit durch Ölsaugen 9.Auflage 2015 Nobert Messing BIO Ritter GmbH
  • Radikal Ganzheitlich Entgiften Karin Opitz-Kreher Schirner Verlag 2. Auflage 2019
  • ZA Online Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg
  • Prof. Dr. Frauke Müller. Section Médecine Dentaire. Division de Gérodontologie et Prothèse adjointe. 19, rue Barthélemy-Menn, 1205 Genève Tel. 022-379 4060/61, Fax 022-379 4052
  • Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin FRAUKE MÜLLER, MARTIN SCHIMMEL
  • Priv.-Doz. Dr. med. univ. et scient. med. Elisabeth Lerchbaum Vitamin D und Menopause: Ist eine Nahrungsergänzung mitVitamin D sinnvoll?
  • Lerchbaum EJournal für Gynäkologische Endokrinologie 2014; 8 (3)(Ausgabe für Österreich), 13-21Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2014; 8 (3)(Ausgabe für Schweiz), 6-14
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