Wenn den Praxen das Personal ausgeht

Immer mehr Praxen müssen aufgrund fehlender Fachkräfte ihre Behandlungszeiten verkürzen oder einen Patientenstopp einlegen. Dies kann ein Rückgang der Wirtschaftlichkeit und Verlust der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Praxen zur Folge haben bis hin zu großen Existenzängsten der Praxisinhaber. Auch Kooperationspartner wie Dentaldepots und zahntechnische Labore leiden unter dieser Problematik.

Und das, obwohl laut statistischem Bundesamt unter jungen Frauen die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) auf Platz 3 der beliebtesten Berufe liegt. Betrachtet man den Beruf der ZFA, dann stellt man fest, dass er eine große Bandbreite von Tätigkeitsfeldern bietet. Nach der Ausbildung gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich weiterzubilden und – den persönlichen Stärken und Vorlieben entsprechend – seine Kenntnisse und Fähigkeiten weiter auszubauen.

Mitarbeiter wandern in andere Bereiche ab

Perosnalmangel fordert Zahnarztpraxen
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Gleichzeitig zeigt jedoch eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit, dass der Beruf der ZFA derjenige mit der höchsten Knappheit an Fachpersonal unter allen Fachberufen ist. Die Gründe für den Fachkräftemangel sind vielfältig und variieren bei Befragungen des Praxispersonals sehr stark.

Einige Ursachen liegen auf der Hand: Der demografische Wandel sorgt dafür, dass zu wenig Nachwuchs nachkommt. Die Konkurrenz durch andere innovativere Branchen oder attraktivere Verdienstmöglichkeiten auch innerhalb der Zahnmedizin fördert die Abwanderung der Mitarbeiter aus den Praxen zusätzlich.

Überlastung des Praxisteams

Aus dem Personalmangel ergeben sich mannigfaltige wirtschaftliche aber auch persönliche Konsequenzen für die Praxisinhaber sowie die Mitarbeitenden, die in der Praxis verbleiben.

Häufig müssen Praxen ihre Behandlungszeiten langfristig reduzieren, wodurch der Umsatz zurückgeht. Um dennoch wirtschaftlich zu arbeiten, müssen die einzelnen Mitarbeiter das Fehlen von zusätzlichem Personal ausgleichen und oft Überstunden leisten. Dies führt nicht selten zur körperlichen und mentalen Erschöpfung. Die Folge ist ein hoher Krankenstand. Wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) festgestellt hat, erhöht sich mit dem steigenden Fachkräftemangel auch das Risiko für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.

Und auch die Praxisinhaber leiden unter der Situation. Der hohe finanzielle und persönliche Druck führt auch bei ihnen zu einer Überlastung. Der Stress steigt und die Burnout-Gefahr für alle Betroffenen ist entsprechend hoch.

Weitreichende Folgen des Fachkräftemangels

Neben der Reduktion der Behandlungszeiten trägt die kostenintensive Suche nach neuen Mitarbeitern zu einer zusätzlichen finanziellen Mehrbelastung bei. Nicht nur die Zeit, sondern auch die Mittel fehlen dann an anderer Stelle. Es bleiben deshalb unter anderem weniger Möglichkeiten, das Team zu regelmäßigen Fortbildungen zu schicken. Daraus wiederum kann sich eine erhöhte Fehleranfälligkeit im Praxisbetrieb ergeben.

Unzureichend ausgebildete Mitarbeiter brauchen oftmals länger für die anfallenden Aufgaben. Ohne ordnungsgemäße Einweisung oder aufgrund von Zeitmangel wird die Pflege und Instandhaltung vieler Geräte und Instrumente vernachlässigt. Das zieht oftmals erhöhte Reparaturkosten oder Neuanschaffungen nach sich. Und auch der Materialverbrauch im Praxisalltag bei wenig geübten Mitarbeitern ist meist höher, da zum Beispiel Abdrücke mehrfach wiederholt werden müssen oder Provisorien öfter kaputt gehen.

Häufiger Personalwechsel verunsichert Patienten

Der Fachkräftemangel in der Zahnmedizin wirkt sich auch unmittelbar auf das Behandlungsergebnis aus. Die Behandlungssituation ist oftmals stressig. Das spüren nicht nur Behandler und Assistenz, sondern auch die Patienten. Lange Wartezeiten oder schlechte Behandlungsqualität auch in der Prophylaxe schlagen sich in der Patientenzufriedenheit nieder. Ein häufiger Personalwechsel verunsichert die Patienten zusätzlich. Das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Praxisteam geht zurück und spiegelt sich in der sinkenden Inanspruchnahme von Zusatzleistungen.

Insgesamt leidet also die gesamte Qualität der zahnmedizinischen Versorgung unter dem Fachkräftemangel, weil das gesamte Team nicht ausreichend Zeit und die nötigen Ressourcen hat, um sich angemessen um die Patienten zu kümmern.

Wann welche Paste?

Stark abrasive Pasten (RDA 80-100) sollten nur punktuell an den Zahnoberflächen verwendet werden, um hartnäckige Verfärbungen zu entfernen. In vielen Fällen ist eine Nachpolitur mit einer feinen Paste sehr zu empfehlen. Bei der Politur von Implantat- und Keramikversorgungen sowie bei freiliegenden Zahnhälsen sollte direkt zu einer feinen Paste ohne Bimsstein und mit niedrigem RDA-Wert (weniger als 7) gegriffen werden, um eine sehr schonende Reinigung zu ermöglichen.

Fazit

Es muss zeitnah an mehreren Stellschrauben gedreht werden, um den steigenden Fachkräftemangel und seinen Folgen Einhalt zu gebieten. Einerseits müssen Arbeitgeber die Rahmenbedingungen des Berufs attraktiver gestalten – sei es in Hinsicht auf Gehalt, Flexibilität oder Perspektiven. Andererseits muss sich zwingend auch die Politik mit dem Problem auseinandersetzen, damit sowohl kurz- als auch mittel- und langfristige Lösungen gefunden werden können. Andernfalls wird die Qualität der Zahnmedizin immer weiter in Mitleidenschaft gezogen.

Beitrag, erschienen auf quintessence-publishing.com, 23.01.2024